tv_kleingames_kleinDie virtuelle Cola-Dose fliegt zum Greifen nah durch den Raum: Die Kary Multimedia AG aus Karlsruhe entwickelt derzeit einen Flachbildschirm, der Bilder dreidimensional und frei im Raum schwebend darstellen kann. Der Clou: Der Betrachter benötigt dabei keine Hilfsmittel wie 3D-Brillen. Für Werbungtreibende ist diese "Deep 3D" genannte Technologie womöglich der nächste große Renner bei der Außenpräsentation visueller Werbung. Zusammen mit dem Hamburger Spiele-Entwickler Intenium will Kary zudem den Massenmarkt erobern - und setzt dabei auf grafik-verliebte Computerspieler. "Das ist die Spielkonsole von morgen", schwärmt Intenium-Gründer Konstantin Nikulin im Video-Interview mit dem Branchenfernsehen turi2.tv (zum Abspielen einfach unten ins Video-Fenster klicken) am Rande der Games Convention in Leipzig. Dort hatte Nikulin die ersten Spiele für das neue System präsentiert.

Überlistet: Eine optische Täuschung trickst das Auge aus.

Die Deep-3D-Technik kombiniert neuartige Softwaretechnik, Bildbearbeitung und Monitortechnologie zu einem eindrucksvollen Bild, das erstaunliche Raumtiefe und Plastitität ermöglicht. Wie bei 3D-Bildern üblich, wird das Gehirn mit einer optischen Täuschung überlistet: Ein in den Flachbildschirm integrierter Computer mit großer Grafikleistung legt zeitgleich neun Bilder im Nanobereich übereinander und projiziert diese auf den Bildschirm. Der Betrachter interpretiert das Ergebnis als dreidimensional-gegenständlich, und zwar in beide Richtungen - in die Tiefe des Bildschirms und auch in den Raum davor. Man stelle sich nur mal vor, wie Kunden in der Einkaufspassage vor einem solchen Bildschirm nach der frei schwebenden Cola-Dose greifen. Der Flachbildschirm kann übrigens auch HD-Fernsehen darstellen, nur für 3D-Anwendungen muss der integrierte Rechner dazu geschaltet werden.

Hoher Preis: Für 1.500 Euro könnte das System im Herbst 2009 kommen.

deep3D-325Größe ist alles: Die ersten Prototypen des 3D-Bildschirms sind mit 63 Zoll schon ganz anständig proportioniert. "Derzeit arbeiten wir an einer Version mit 102 Zoll", sagt Misel Papas, Vertriebsleiter des Hardwarespezialisten Kary. Auf den Markt soll das System vorraussichtlich im Herbst 2009 kommen. Der Preis, sagen Kary und Intenium, soll "auf dem Niveau der ersten Flachbildschirme" liegen. Das Preislevel im Massenmarkt soll aber möglichst schnell auf 1.000 bis 1.500 Euro sinken. Die speziellen 3D-Spiele werden mit 40 bis 60 Euro zu Buche schlagen. Für die Eroberung des Massenmarktes hat sich Kary bereits einen zahlungskräftigen Investor an Bord geholt: Die britische Investoren-Gruppe Thames LTD aus London hat im Sommer 81 Prozent der Kary-Aktien erworben. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Borussia Dortmund, Porsche und Hugo Boss in 3D.

Erste Test-Kunden nutzen das Kary 3D-System bereits: Die Bundesligisten Borussia Dortmund und Hannover 96 beeindrucken die Gäste in ihren VIP-Logen; Porsche und Hugo Boss präsentieren damit ihre Produkte bei Großkunden-Events und ausgewählten Messen. "Wenn Sie Ihrer Phantasie freien Lauf lassen, finden Sie unheimlich viele Einsatzbereiche", sagt Konstantin Nikulin, der einst Entwicklungsleiter beim russischen Energie-Riesen Gazprom war und die Software-Schmiede Intenium im Jahr 2000 gegründet hat. So denkt man neben der Werbebranche auch an die Medizin-Technik. Komplizierte Forschungsprojekte ließen sich als 3D-Präsentation besser veranschaulichen. Erste Anfragen gibt es laut Kary unter anderem bereits von Siemens. Von den Fach-Bereichen und der Werbebranche mal abgesehen, dürfte der Games-Markt für den Massenstart der 3D-Technologie tatsächlich der interessanteste sein. Die raumfüllende Darstellung von Spielsequenzen könnte dem Spiel-Erlebnis tatsächlich eine neue Dimension verleihen.

Weiterführende Links:
heise.de (Bericht über die Präsentation auf der Games Convention)
pressrelations.de (Presseinfo von Intenium)
karymultimedia.de (Website von Kary Multimedia)